Naturdenkmal Ried in Unterwittighausen

Heimat für seltene Vögel, Biber und Wasserbüffel

Bereits im Gründungsjahr der NABU-Ortsgruppe Wittighausen 1976 gab es Planungen zur Umsetzung eines Feuchtgebietes am Insinger Bach „Am Ried“, die auch tatkräftig umgesetzt wurden. In ein eigens angelegtes Labyrinth aus Gräben und Tümpeln wurde die Riedquelle eingeleitet, die von 1922 bis 1957 eine zusätzliche Wasserversorgung der Gemeinde war. Zusätzlich wurden durch freiwillige Helfer etwa 350 Sträucher und Bäume gepflanzt. Bei den Arbeiten wurde festgestellt, dass im Ried eine mindestens 6 m mächtige Torfschicht im Untergrund von einer langen Geschichte als Feuchtgebiet zeugt.

Im Jahr 1989 wurde der Insinger Bach zu tief ausgebaggert, was zusammen mit einem ausgesprochenen Trockenjahr dazu führte, dass das Ried auszutrocknen drohte. Der NABU baute daraufhin Sohlschwellen in den Bach ein und konnte das Feuchtgebiet dadurch retten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich hier eine Schilffläche, die vielen bedrohten Vogelarten einen Rückzugsraum bietet. So können hier beispielsweise Rohrammer und Teichrohrsänger beobachtet werden. Auch das einzige Vorkommen der Rohrweihe befindet sich hier.

Seitdem 2011 der Biber das Ried für sich entdeckt hat, wächst die Wasserfläche und damit die Artenvielfalt ständig an. So sind hier zwischenzeitlich Knäk- und Krickente, Grau- und Silberreiher regelmäßig anzutreffen.

Sogar Schwarzstorch, Kraniche und Fisch- und Schreiadler sind regelmäßige Gäste im Ried. Als ökologische Ausgleichsmaßnahmen konnten der Eisweiher und angrenzende Ackerflächen im Ried durch die Gemeinde gekauft werden, so dass mittlerweile fast alle Flächen im Besitz des NABU oder der Gemeinde Wittighausen sind. 2014 wurden zudem einige Tümpel zur Förderung der Gelbbauchunke angelegt.

Seit 2015 werden große Teile des Rieds durch Wasserbüffel beweidet, die so ebenfalls ihren Beitrag für eine dynamische Entwicklung liefern. 2016 wird am Insinger Bach eine „ökologische“ Flurneuordnung angeordnet mit dem Ziel, bachnahe Flächen in kommunalen Besitz zu überführen, womit landwirtschaftlich kaum nutzbare Flächen wieder der Gewässerdynamik zur Verfügung gestellt werden sollen. Abgesehen von der Wasserbüffelbeweidung finden im Ried keine Pflegeeinsätze statt, so dass die Flächen einer dynamischen Entwicklung überlassen bleiben – man darf gespannt sein, wie die natürliche Vielfalt sich Schritt für Schritt das Ried weiter zurück erobert. Die 2016 errichtete „Riesenbank“ ist eine hervorragende Möglichkeit, die Tierwelt im Ried zu beobachten.