Die Kirche Allerheiligen in Unterwittighausen

Umfangreiche Renovierungen

Mehrmals wurde die Kirche umfassend renoviert. Aus den Aufzeichnungen erfahren wir erstmals von einer Maßnahme im Jahr 1880. Fünfzehn Jahre später wurde die alte Sakristei hinter dem Hauptaltar aufgegeben und an der südöstlichen Seite ein Anbau an den Chorraum angefügt.

Dies hatte zudem den Vorteil, dass der vorbereitende Zugang nun direkt von außen erfolgen konnte, ohne den Chor betreten zu müssen.
1931 wurde die Empore vergrößert und drei Jahre später der Kirchengang mit Steinplatten verlegt. 1936 bekam die Kirche einen neuen Außenanstrich und wurde innen erneut renoviert. Kosten für die Gemeinde damals: 2800 Reichsmark. Schon zwei Jahre später erfolgte die nächste Maßnahme: Die im Winter bisher frierenden Gläubigen erhielten eine Warmluftheizung.

Im Inneren fand 1953 eine umgehende Sanierung statt, 20.000 DM ließ sich das die Pfarrgemeinde kosten. Eine ausgiebige Gesamtrenovation dauerte von 1978 bis 1980. Und nochmals, in den Jahren 2002 und 2003, bekam die Allerheiligen-Kirche innen eine Auffrischung: Die Wände wurden gestrichen, die Deckengemälde restauriert, ebenso die Bilder und Figuren sowie die Fenster. Die Warmluftheizung wurde modernisiert und eine neue Lautsprecheranlage eingebaut. Auch die Bänke und den Beichtstuhl restaurierte man im Zuge dieser Maßnahme.

Eine Neumann'sche Dorfkirche

Ein großer Name schmückt einen kleinen Ort: Johann Balthasar Neumann, der Erbauer der Residenz zu Würzburg und Architekt bedeutender Sakralbauten, hat auch in Unterwittighausen seine Spuren hinterlassen. 1738 schuf er die Pläne für die Pfarrkirche Allerheiligen. Dabei war Unterwittighausen eine von vielen Landkirchen, die der große Baumeister Neumann plante.

Das neue Gotteshaus wurde an der gleichen Stelle erbaut, wo zuvor die baufällig gewordene Kirche „St. Kilian“ gestanden hatte. Dieses Kirchlein muss zudem sehr klein gewesen sein, wie aus einem Bericht des damaligen Ortspfarrers Georg Richard Schüttinger hervorgeht, und wurde von seiner Grundsteinlegung her auf ein Alter von etwa 500 Jahre geschätzt – vielleicht eine romanische Zentralanlage in der Art der Kapellen von Oberwittighausen und Grünsfeldhausen.

In einem anderen, vermutlich an die Würzburger Geistliche Regierung gerichteten Bericht vom 26. August 1735 heißt es: ...Müsse auch die Pfarrkirchen und Pfarrwohnung zu Unterwittighausen höchst nothwendig neu gebauet werden, inmaßen die Pfarrkirchen nicht nuhr für die zahlreiche Pfarrkinder viel zu klein, sondern die Mauern an derselben aufgesprungen und finde, auch der obere Last auf einer einzigen sich schon neigenden Saulen ruhe, die Balken und Holzwerk ganz mürb und verfault seyen, mithin der tägliche Einfall besorget werde...

Grundsteinlegung für die neue Kirche war am 16. Juni 1739. Ob Balthasar Neumann tatsächlich einmal in Unterwittighausen war und die Pläne eigenhändig schuf, ist nicht belegt. Vielmehr ist anzunehmen, dass die Entwürfe von seinen Mitarbeitern nach Neumanns eigenen Ideenskizzen gezeichnet und ihm zur Prüfung vorgelegt wurden. Wie vielen seiner Landkirchen gab Neumann der Kirche in Unterwittighausen eine schlichte Raumform: ein ausgedehntes Langhaus mit einer halbkreisförmigen Bogenöffnung zum eingezogenen einjochigen Altarraum. Kennzeichnend ist der über drei Geschosse geplante Fassadenturm mit einem eingeschnürten Zwiebelhelm. Er springt auf dem quadratischen Grundriss an der Westfassade mit halber Seitenlänge hervor.

Der Kirchenneubau erwies sich, trotz des großen Namens, schon wenige Jahrzehnte später als einsturzgefährdet: 1790 mussten der Chor und das Gewölbe des Mittelschiffes abgetragen und erneuert werden. Die Renovierung erfolgte mit einer flachen Decke.

Baupläne der Kirche in Unterwittighausen existieren wohl keine mehr: Nach den Luftangriffen des Zweiten Weltkrieges im März 1945 auf Würzburg ist ein großer Bestandteil der Pläne Balthasar Neumanns vernichtet worden.

Geweiht ist „Allerheiligen“, wie der Name schon sagt, allen Heiligen – am 1. November wird das Patrozinium gefeiert.

Johann Peter Wagners Innenausstattung

Die Innenausstattung schuf der Würzburger Hofbildhauer Johann Peter Wagner, bekannt als Meister der Rokokoplastik und des Frühklassizismus. Sein Handwerk hatte der gebürtige Franke in der Auwera-Werkstatt gelernt, die er später gemeinsam mit seiner Frau übernahm.

Die Auweras waren eine aus den Niederlanden stammende Künstlerfamilie, die hauptsächlich in Würzburg arbeitete. Wagner schuf in Unterwittighausen den barocken Prunkaltar und die Kanzel.

Das Hochaltarbild nimmt den Namen der Kirche wieder auf und zeigt die Gesamtheit aller Heiligen. Über dem Hochaltarbild ist ein Reliefbildnis mit Mariae Krönung zu sehen. Der Hochaltar selbst besitzt einen barocken Säulenaufbau.

Um den Altar herum gruppieren sich vier lokale Heilige: Links vorne ist der Heilige Aquilin zu sehen, ein um 970 in Würzburg geborener Domprobst. Er wurde auf einer Reise nach Rom 1018 in Mailand mit einem Messer in den Hals erstochen und dort beigesetzt. Seine Reliquien kamen 1705 und 1854 nach Würzburg.

Hinter Aquilin ist der Heilige Urban zu sehen. Er war von 222 bis 230 Papst und wird als Patron der Winzer verehrt.

Der Heilige Johannes Nepomuk ist vorne rechts dargestellt. Er wurde in Prag geboren und war Generalvikar des dortigen Erzbischofs. 1393 geriet er in eine Auseinandersetzung zwischen König und Erzbischof, wurde gefoltert und in der Moldau ertränkt.

Hinter Nepomuk steht der Heilige Kilian, der Frankenapostel irischer Herkunft. Er wirkte als Bischof in Würzburg und wurde 689 gemeinsam mit seinen Gefährten Kolonat und Totnan ermordet. Seine Reliquien befinden sich im Würzburger Dom.

Die beiden Seitenaltäre zeigen links die Kreuzigungsszene sowie rechts den Tod des Heiligen Sebastian. Die Gemälde hat Georg Christian Urlaub (1718 - 1766) geschaffen. Er entstammte einer Malerfamilie aus Thüngersheim.

Das große Deckengemälde von 1965, ausgeführt durch Michael Bronold nach einem Entwurf von Willi Jakob, Restaurator der Firma Bronold aus Gerlachsheim, zeigt die Kreuzauffindung durch die Heilige Helena und ist eine Kopie des gleichnamigen Bildes von Giovanni Battista Tiepolo (1696 - 1770). Auch das Bild an der rechten Seitenwand, es zeigt die Anbetung der Weisen, hat der Maler Franz Rieger 1904 einem bekannten Gemälde Tiepolos nachempfunden.

Den Kreuzweg in der Kirche schuf der Maler Peter Geist im Jahr 1861. Auf der Empore befindet sich an der rechten Wand eine Plastik der Maria Immaculata, der unbefleckten Maria, des Bildhauers Heinz Schiestl (1867 - 1940).

Vier Glocken befinden sich im Glockenturm der Kirche: Eine aus dem Jahr 1928, gewidmet allen Heiligen (gegossen von den Gebrüdern Klaus aus Heidingsfeld) und drei weitere aus dem Jahr 1950, gewidmet Maria mit dem Kind, dem Heiligen Josef und einer Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes (gegossen von Karl Czudnochowski aus Erding).

Eine Orgel aus Markelsheim

Vom Untergeschoss aus führen zwei Treppenläufe auf die hölzerne Orgelempore. Die heutige Orgel baute 1973 die Firma Heissler aus Markelsheim. Während der Innenrenovation 2002/2003 wurde das Instrument überholt. Es verfügt über zwei Manuale und ein Pedalwerk sowie 15 klingende Register. Die Orgelpfeifen  aus Holz und Zinn-Blei-Ligaturen sind in einem barocken Gehäuse von 1790 „verpackt“.

Tipp: Ausführlichere Informationen zu den Kirchen erhalten Sie im "Wittighäuser Heft 10: Kirchen". Hier online anschauen oder Druckversion bestellen.

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